-
Europa Teil 3
-
Këlcyrë
Këlcyrë, Albania - Polarsteps
Viosë und SH74
Maps schickt uns auf dem Weg nach Berat, unserem nächsten Etappenziel, weit nach Westen bis fast an die Küste und dann scharf nach Osten, um ins Landesinnere abzubiegen. Mich wundert es, dass wir nicht über direkterem Weg fahren sollen, zum Beispiel über die SH74. Auf der Karte ist sie als gelbe Linie dargestellt, also gleichwertig wie andere, gut ausgebaute, zum Teil zweispurige Straßen im Land. Das interessiert mich und ich gebe die Ortschaft Ballaban auf der Strecke als Zwischenziel an. Soweit so gut.
Bis dahin kommen wir gut voran. Wir fahren auf der SH4/ E853 nach Norden, die hier dem Fluß Drinos folgt. Bei der Mündung in den Viosë wechseln wir auf die etwas kleinere SH75 flussaufwärts. Der Viosë ist der einzige oder eben auch der letzte Fluss Europas der in seinem gesamten Lauf naturbelassen ist. Nicht ein Wehr oder Staudamm stört den Strom, nicht ein Stück Ufer ist begradigt oder befestigt. Durch den anhaltenden Regen der letzten Tage ist der Fluss zu einem braunen, reißenden Band angeschwollen. Ein mächtiges Bild. Wir fahren über eine alte Eisenbrücke, die Ura e Dragotit und weiter bis Këlcyra. Hier biegen wir ab auf die SH74, ja die Straße ist kurvig und zum Teil etwas schmal, immer wieder sind Schafe am Straßenrand unterwegs, aber das ist Alles nichts Neues für uns und wir fahren gemütlich durch die verregnete Landschaft. Schließlich erreichen wir Ballaban, die Straße führt über eine kleine Brücke und plötzlich hört der Asphalt auf. Vor uns zieht sich eine ausgefahrene mit Schlaglöchern übersäte Piste in die Ferne. Laut Navi sind wir noch richtig, also rumpeln wir vorsichtig weiter, wird schon bald besser werden.
Ein entgegenkommender Pickup neigt sich in einer großen Pfütze ordentlich zur Seite, hier muss der Belag wohl mehr als sonst ausgewaschen sein. An der Pfütze angekommen teste ich die Tiefe mit einem Ast und bin mir unsicher. Fini recherchiert in der Zwischenzeit nach der Straße und bringt in Erfahrung, dass der Zusand nicht besser wird. Also verzichten wir darauf die fragwürdige Pfütze zu durchfahren, ich setze gute hundert Meter im Slalom zwischen den Schlaglöchern rückwärts, bis wir wenden können und wir fahren bis zur SH4, über dreißig Kilometer, zurück.
Wir sind eine Erfahrung reicher.
Auf youtube gibt es einige Beiträge zur SH74 in Albanien, einfach mal stöbern.
Auf der Schnellstraße kommen wir gut voran nach Nordwesten. Ab Quark Fier geht es dann nach Osten und wieder ein Stück nach Süden bis Berat. Wir haben es geschafft.
Country Guides:
Albania