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Berat, Albania - Polarsteps

Mit Toni durch die Burg Viertel nach zehn am nächsten Vormittag spazieren wir über die Ura e Goricës ans Südufer des Osum. Hier starten um zehn Free Walking Tours. Von einer Gruppe ist leider weit und breit nichts zu sehen, daher machen wir uns selbst auf den Weg die Ortschaft zu erkunden. Berat ist auch bekannt als die Stadt der Tausend Fenster und der Blick über den Fluss zeigt warum. Die alten Häuser ziehen sich gleichmäßig den Hang hinauf. Deren strahlend weiße Fassaden richten großzügige Fensterfronten nach Südost und Süd, beim aktuellen Sonnenstand ein beeindruckendes Bild. Über die Ura e Varur, die neue Brücke, gehen wir zurück übers Wasser, flanieren über die Rruga Antipatrea an zahlreichen, gut besuchten Restaurants, Bars und Cafés vorbei und schlängeln uns dann durch die als UNESCO-Welterbe ausgezeichnete Altstadt. Wir sehen auch hier immer wieder Straßenhunde, da wir Flips heute aber im Bus gelassen haben, wollen sie nichts von uns wissen. In einer Metzgerei sehen wir einen Fleischer am Hackstock bei der Arbeit, souverän mit einer Zigarette im Mundwinkel. In einem heimeligen Geschäft kaufen wir einen handgeknüpften kleinen Deko-Teppich aus reiner Schafwolle. Schließlich machen wir uns an den Aufstieg zur Burg- und kommen dabei ganz schön ins Schwitzen. Am Eingangstor spricht uns ein Mann an. Er wohnt hier in innerhalb der Festungsmauern, wie auch schon sein Vater und sein Großvater vor ihm. Wenn wir möchten kann er uns gerne durch die engen, verwinkelten Gassen führen und uns auch Kirchen öffnen, die der Öffentlichkeit sonst verschlossen bleiben. Kurzerhand nehmen wir das Angebot dankend an. Toni, unser privater Guide also, erklärt uns viel zur Geschichte und Entwicklung der Stadt und zeigt uns wunderschöne, aus natürlichen Pigmenten erstellte Fresken in den kleinen Kirchen der Festung. Die ersten Befestigungen wurden im vierten Jahrhundert vor Christus von den Illyrern, einer antiken Volksgruppe, auf dem Hügel über dem Osum errichtet. Die Festungsanlage wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder erweitert, die Lage war von strategischer Bedeutung. Die Bauten sind geprägt von Römern, Osmanen und nicht zuletzt dem kommunistischen Regime. Bewohnt war die Festung von Anfang an und ist sie bis heute. Von der Aussichtsplattform im Süden haben wir einen tollen Rundumblick über die Stadt, den Fluss und die Berge mit schneebedeckten Gipfeln. Nach einer guten Stunde sind wir wieder am Stadttor. Wir bedanken uns nochmal bei Toni, zahlen ihm Zweitausen Lek, rund zwanzig Euro, und verabschieden uns. Es ist Mittag, wir haben Hunger. Umweit des Tors gibt es ein Restaurant und wir entscheiden uns die lokale Gastronomie zu unterstützen. Der Herr des Hauses weißt uns auf die Gemischte Platte für zwei hin, die wir auch bestellen. Wir bekommen Reis, verschiedenes Grillgemüse und ein halbes Hähnchen serviert. Vorab gibt es einen Rohkostsalat mit Feta, danach ein ordentliches Glas Raki, der geht aufs Haus. Die Portion ist üppig, das Essen schmeckt und wir sind zufrieden. Gestärkt machen wir uns an den Abstieg zurück in die Stadt. An einer Straßenbaustelle wird gepflastert, nebenan stehen zwei Maultiere an einer Laterne festgemacht. Sie haben Packsättel auf den Rücken und werden wohl im Bau eingesetzt. Das sieht man auch nicht oft. Mit vielen neuen Eindrücken kommen wir letztlich zurück zum Campingplatz, wo Flips uns freudig begrüßt. Wir bereiten im Bus alles zur Abfahrt vor, verabschieden uns von Elisabeth, ihrem Sohn und der Enkeltochter. Die Kleine schenkt uns noch ein selbstgezeichnetes Bildchen von einem Vogel.

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